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Wie immer war es eine lange Nacht geworden. Dunkelheit lag wie eine schwere Decke über ihr, als sie aus dem Bus stieg. Kein Licht brannte in den Fenstern der Wohnhäuser.

Es wurde immer öfter so spät. Sie wusste nicht so Recht, ob es an ihr lag, oder viel mehr an ihrem Freund. Sie liebte ihn, keine Frage, aber er schien sie zu verändern.

Heute waren sie in einem Film gewesen. Ein schöner, romantischer Film. Ein Film der sie früher an jemand anderen hätte denken lassen, doch jetzt war sie glücklich, also warum sollte sie in der Vergangenheit schwelgen?

Nein sie hatte nicht an ihn gedacht. Sie hatte nicht an ihn gedacht während sie neben ihrem Freund saß, nicht als sie die Hand ihres Freundes hielt und ganz bestimmt nicht, während sie ihren Freund küsste. Sie dachte doch nicht an jemand anderen, als an ihren Freund. Was für eine Freundin wäre sie denn, wenn sie an jemand anderen denken würde?

Sie schüttelte ihren Kopf, wie um eine Mücke zu verscheuchen. Wenn Gedanken nur wie Mücken wären. Einmal hier und einmal fort und wenn man den Kopf schüttelte plötzlich verschwunden.

Ihre Augen richteten sich auf die Straße und sie zwang sich ans hier und jetzt zu denken. Das hatte ihr schon früher geholfen, wenn ihre Fantasie, die Überhand zu nehmen drohte.

Vor ihr lag die Kreuzung. Sie musste nach links abbiegen, dort lag ihre Wohnung. Eine kleine aber doch nette Wohnung, die erste, die sie alleine bewohnte.

Ihre Füße steuerten immer weiter auf die Kreuzung zu, aber je näher sie kam, umso mehr dachte sie daran den anderen Weg einzuschlagen.

Es war nicht weit, aber wenn sie dem Weg folgen würde, dann würde sie bei ihm landen. Demjenigen an den sie ganz sicher nicht dachte.

Später würde sie sagen, dass es keine bewusste Entscheidung gewesen war, dass sie ihrem Herzen gefolgt war. Die Wahrheit war eine andere, aber wer hörte schon gern, die Geschichte einer Frau, die freiwillig alles aufs Spiel setzte.

Ihre Schritte wurden länger. Beinahe rannte sie, die Straße nach rechts hinunter. Wenn sie stehen bliebe, dass wusste sie, dann würde sie umdrehen, darüber nachdenken, es sich anders überlegen. Nichts von alle dem wollte sie tun.

Wie von selbst stand sie vor seiner Tür und drückte die Klingel, bevor ihr klar wurde, was sie da tat.

„Corinna?“, murmelte er mit halb offenen Augen, als er die Tür öffnete. Er trug einen Pyjama und seine Haare standen in alle Richtungen von seinem Kopf.

Sanft schob sie ihn in seine Wohnung und begann damit ihre Jacke auszuziehen.

„Was ist passiert?“, fragte er und langsam schien er zu erwachen. Er schien sich der Situation bewusst zu werden, aber noch nicht vollständig.

Sie war dabei ihren Schal abzulegen, wickelte ihn langsam um ihren Kopf.

„Ich werde etwas probieren“, erklärte sie und bevor er etwas dazu sagen konnte sprach sie weiter, wobei sie immer näher an ihn heran trat.

„Wenn es nicht gut ist oder nicht funktioniert, dann gehe ich und wir werden nie darüber reden, verstanden?“

Sie wartete kurz bis er nickte, obwohl er scheinbar immer noch nicht so richtig wusste worum es ging.

Dann überbrückte sie den Abstand zwischen ihnen. Brachte sich ganz nah an ihn. Legte ihre Hände auf seine Brust und sah ihm in die Augen, bevor sie sich streckte und ihre Lippen auf seine presste. Seine Hände legten sich auf ihren Rücken und zogen sie näher an sich. In diesem Moment wusste sie es. Es war gut. Es funktionierte. Es war ein einziger Kuss, aber es war alles was sie jemals gewollt hatte.

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