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Feen sind seltene Kreaturen, jeder weiß das. In unserer Zeit glaubt kaum noch einer an sie, denn wir haben für alles eine wissenschaftliche Erklärung, aber die Wahrheit ist, sie sind da. Sie sind da und sie lachen über unsere Erklärungen, denn für sie sind sie genauso unwirklich, wie für uns die Feen.

Lichterfeen sind die schönsten der Feen und auch die, die am meisten Unsinn im Kopf haben. Sie sind dafür verantwortlich, dass es überall Licht gibt. Außerdem haben sie eine Mitschuld daran, dass Menschen glauben Licht sie gleichzeitig eine Welle und ein Teilchen. Sie hatten sehr viel Spaß an diesen Experimenten und erzählen gern davon. Dabei lachen sie ihr glockenhelles Lachen und flattern so schnell mit ihren Flügeln, dass kleine Sonnenstrahlen aus den Netzen fallen. Die Flügeln von Lichterfeen bestehen nämlich aus Spinnennetzen, welche das Licht in sich einfangen und sie so zum Leuchten bringen. Auch ihre Kleindung besteht aus einem Gewebe, das Spinnen produzieren, aber aus einem komplizierteren, deswegen glitzern diese Feen auch immer. Die Lichterfeen sind außerdem die kleinsten Feen im Feenreich. Eine Lichterfee passt mit Leichtigkeit in die Hand eines Säuglings, so klein ist sie.

Wenn man einen Regenbogen am Himmel sieht, dann kann man sich sicher sein, dass man gerade eine ganze Gruppe an Lichterfeen beobachtet, die mit einander spielen. Sie tun das selten im Regen, aber wenn sie es tun, dann kann man die wunderschönen Farben bewundern, die alle kennen.

Aria war eine der beliebtesten Lichterfeen. Alle mochten sie und jeder war von ihren Geschichten begeistert. Sie war auch eine der vorwitzigsten unter ihnen und sie liebte es die Menschen zu beobachten. Eines Tages sah sie durch ein Fenster, wie ein junger Mann sich mit einem Prisma beschäftigte. Prismen sind kleine gläserne Gebilde, die Lichterfeen magisch anziehen, weil sich das Licht in ihnen genauso schön fängt, wie in den Flügeln der Feen.

Die kleine Fee konnte der Anziehungskraft nicht widerstehen und flog in das Zimmer. Eine Weile spielte sie mit dem Prisma und gleichzeitig auch mit dem Mann. Doch je länger sie in dem Zimmer war, umso weniger interessierte sie das Prisma. Immer mehr war sie von dem Aussehen des Mannes fasziniert. Seine roten Haare leuchteten beinahe in dem Licht, dass durch das Fenster fiel und sein Gesicht war bedeckt von Sommersprossen. Seine Haut war blass, wie Porzellan, was sie beinahe von innen leuchten ließ.

Lichterfeen werden von allem angezogen, dass im Licht schimmert oder glitzert und so war es kein Wunder, dass sie begann ihn auch an anderen Tagen aufzusuchen. Sie saß auf dem Fensterbrett und lauschte, wenn er etwas erzählte. Bald erkannte sie, dass er ein Lehrer sein musste, denn es waren immer viele Kinder in dem Raum, wenn er etwas erzählte. Irgendwann kam sie nicht nur wegen seinem Leuchten, sondern auch wegen seiner Geschichten. Nie hatte sie so faszinierende Dinge gehört, wie er sie erzählte. Sie versuchte den anderen Lichterfeen von den Dingen zu erzählen, aber niemand schien sich dafür zu interessieren.

Eine Weile ging es so, bis sie sich so sehr danach sehnte mit jemandem darüber zu reden, dass sie alles dafür getan hätte. Sie flog von ihrem Platz am Fenster nach unten und landete auf der Schulter des Mannes. Vorsichtig flatterte sie nahe an sein Ohr und erzählte ihm von all den Dingen, die sie sich vorstellte, wenn er seine Geschichten erzählte, aber er konnte sie nicht hören. Immer wieder versuchte sie es, aber nie hatte sie Glück dabei.

Schließlich erfuhr eine Herzfee von dem Kummer der kleinen Lichterfee.

Herzfeen sind sehr selten, aber dafür sind sie die mächtigsten Feen im Feenreich. Diese Feen kümmern sich darum, dass die Menschen zueinander finden. Das ist eine sehr schwere Aufgabe, denn Menschen sind nicht so direkt wie Feen und oft braucht es einen Schubs, damit sie überhaupt merken, mit wem sie glücklich sind.

Die Herzfee kam also zu Aria, nachdem sie die Geschichte eine Weile beobachtet hatte. Sie sah, dass Aria einsam war und als sie den jungen Mann beobachtete, sah sie dass es ihm ähnlich ging. Die Beiden waren wie gemacht für einander, nur dass die eine eine Fee und der andere ein Mensch war. Darum beschloss die Herzfee eine untypische Verzauberung anzuwenden. Normalerweise mischen sich Feen nicht so sehr ein, aber diese konnte einfach nicht mehr zusehen und es war mehr als ein Schubs nötig, um die zwei glücklich zu machen.

Also flog sie zu Aria, als diese wieder einmal auf dem Fensterbrett saß und bot ihr ihre Hilfe an. Aria war begeistert und aufgeregt. Bald würde sie mit ihm sprechen können. Die Herzfee sprach ihren Zauber und Aria verwandelte sich in eine Menschenfrau. Ihr Kleid aus Spinnenstoff verwandelte sich in ein glitzerndes Kleid in ihrer Größe und ihre Flügel verschwanden. Zurück blieb nur ein wenig Feenstaub auf ihren Schultern.

Aria trat aus dem Schatten des Fensters und der junge Mann erblickte sie. Ein träumerischer Ausdruck legte sich auf sein Gesicht und er begann zu strahlen, noch mehr als er es sonst tat. Ein glockenhelles Lachen löste sich aus Arias Brust, als er auf sie zu kam und ihre Hände in die seinen nahm.

Die Herzfee beobachtete ihr Werk mit wachsender Zufriedenheit. Die Beiden verstanden sich vorzüglich, obwohl Aria für den jungen Mann sehr seltsame Ansichten hatte, was die Welt anging. Sie erzählten sich stundenlang Geschichten und eine Weile beobachtete die Herzfee sie dabei, wie sie sich verliebten. Bis sie eines Tages sah, wie der junge Mann einen Ring kaufte, damit war ihre Arbeit getan und sie flog ganz nah an Arias Ohr, um ihr zum Abschied zu danken, dafür dass sie Teil dieser wunderbaren Geschichte hatte sein dürfen und, um ihr Glück zu wünschen, damit ihr Weg noch heller in der Zukunft strahlte.

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