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„Weißt du er ist einfach der Richtige für mich! So wie bei ihm habe ich mich noch nie gefühlt“, erzählte Susann mit strahlenden Augen.

Außer bei den letzten 25 Männern mit denen du aus warst, dachte ich dabei, doch nach außen hin lächelte und nickte ich nur.

Susann plapperte fröhlich weiter über all die Dinge, die sie mit ihm tun würde, heiraten, Kinder kriegen, das ganze Packet eben. Ich war mir ziemlich sicher, dass er sie nicht wieder anrufen würde, aber wie immer schwieg ich dazu.

Meine Freundin hatte die Eigenschaft immer an den selben Typ Mann zu geraten und jedes Mal war es die eine wahre Liebe und jedes Mal fiel sie genauso tief auf den Boden zurück. Innerlich machte ich mich schon bereit ihr Taschentücher zu reichen und eine Großpackung Eis zu kaufen. Das würde ein langes Wochenende werden.

Immerhin hatte ich eines durch ihre Geschichten gelernt, wahre Liebe gibt es nur im Märchen. All dieser Schnickschnack mit Liebe auf den ersten Blick? Absoluter Schwachsinn. Eine Geschichte, die kleinen Mädchen erzählt wird, damit sie immer wieder auf dieselben dummen Anmachsprüche und Versprechungen von Männern hereinfallen. Das schlimme daran war nur, dass es funktionierte.

Kopfschüttelnd griff ich nach meinem Handy, um zu sehen wie spät es war. Ich hatte keine besonders große Lust mehr mir die Geschichte weiter anzuhören, deswegen überlegte ich schon ob ich nicht nach Hause gehen sollte. Ein gutes Buch wartete neben meinem Bett auf mich, ohne Liebesgeschichte, nur um das klar zu stellen.

Als der Bildschirm aufleuchtete sah ich eine Mail von der Singleseite auf der ich mich durch drängen meiner Freunde angemeldet hatte. Das wunderte mich schon ziemlich, immerhin hatte ich mich absichtlich seit dem Anlegen des Profils nicht mehr angemeldet, damit ich bei Suchanfragen möglichst weit unten landete und mich keiner anschrieb.

„Huch, was ist das denn?“

Natürlich musste Susann genau jetzt auf mein Handy blicken.

„Ach nur eine Mail…“, versuchte ich sie abzuwimmeln.

„Nun sei nicht so Caro!“

Mit diesen Worten schnappte sie sich mein Telefon und las die Nachricht.

Seufzend beobachtete ich sie. Wenn die Nachricht auch nur ansatzweise wie die anderen war, dann enthielt sie bestimmt mindestens eine sexuelle Anspielung und war von einem Mann der mein Großvater sein könnte.

Nach erstaunlich kurzer Zeit gab sie mir das Gerät zurück.

„Der sieht doch nett aus“, meinte sie mit einem Lächeln, „Antworte ihm, komm schon!“

Kopfschüttelnd las ich die kurze Nachricht von meinem Bildschirm.

Da stand nur:

„Hallo! Wie geht’s dir so?“

Aus dem Profil, welches daneben angezeigt wurde, konnte man auch nicht besonders viel herauslesen. Gerade einmal das Alter, die Musik und Filmvorlieben und ein Foto gab es. Zu meinem Leidwesen muss ich gestehen, dass mir das Foto ziemlich gut gefiel. Dunkelhaariger Mann mit einem charmanten Lächeln auf einer Couch. Es war eindeutig von ihm selbst gemacht worden und sah wirklich verdammt sympathisch aus.

„Hmm… Ich weiß nicht… Meinst du nicht, dass das ein bisschen wenig ist? Eigentlich mag ich das gar nicht, wenn er mir das Gefühl gibt nicht einmal mein Profil gelesen zu haben“, druckste ich herum.

Die Wahrheit war, dass ich nichts lieber wollte, als ihm zu schreiben, aber warum? Ich konnte es mir einfach nicht erklären. Es war wie als wäre ich ein Meteorit, der in den Orbit eines Planeten gezogen wurde.

Schließlich überzeugte mich Susann doch, so wie sie es immer tat und ehrlich gesagt, war es diesmal auch nicht sonderlich schwer.

Es folgten Tage, die gefüllt waren mit Gesprächen über Mail, die ich so nie erwartet hätte. Wir waren uns sehr ähnlich für Menschen, die sich gerade erst kennen gelernt hatten.

Nervös wartete ich darauf, dass er ein Treffen vorschlug, damit ich mich endlich davon überzeugen konnte, warum es nicht passen würde zwischen uns. Ich war mir so sicher, dass es da noch einen Haken geben würde, irgendwo versteckt.

Als ich mich meiner Mutter deswegen anvertraute, fragte sie mich genau das, was sie mich immer fragte: „Warum bist du nur so zynisch?“

Seufzend sah ich sie an.

„Ich bin nicht zynisch, ich bin realistisch.“

An diesem Abend beschloss ich, dass ich genug gewartet hatte. Immerhin war ich eine Frau aus dem 21.Jahrhundert.

„Was hältst du davon, wenn wir uns mal treffen? Auf einen Kaffee oder so?“, tippte ich.

Während ich auf die Antwort wartete, kaute ich auf meiner Unterlippe und überlegte, was ich anziehen sollte. Gleich darauf schallt ich mich selbst. Was macht es schon aus was ich anzog? Entweder er mochte mich wie ich war, oder er sollte sich wen anderen suchen. Überhaupt seit wann war ich so besorgt darüber, ob mich jemand mochte?

Als seine Antwort schließlich kam, schlich sich eine völlig neue Art von Lächeln auf mein Gesicht. Ich strahlte richtig vor Glück und zählte die Stunden bis ich ihn das erste Mal sehen würde.

Zwei Tage später war es soweit.

Ich war viel zu früh und wartete vor einem kleinen Café. Nervös sah ich immer wieder die Straße entlang, denn ich hatte Angst ihn zu verpassen.

Doch als mein Blick schließlich auf ihn viel, wurde mir klar, dass ich ihn nie hätte verpassen können. Er war dafür gemacht von mit betrachtet zu werden. Es war als würde er mich über die Distanz berühren. Die Vertrautheit, die sich in die Mails geschlichen hatte, schlich sich sofort auch in die Art wie ich ihn ansah.

Das ist es also, dachte ich, Liebe auf den ersten Blick und es gibt sie doch.

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